Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Ersatzneubau der Staustufe Steinhavel, Holzungsarbeiten zur Baufeldfreimachung

Ausgabejahr 2019
Datum 28.10.2019

Heute wurde im Ortsteil Steinhavelmühle von Fürstenberg/Havel mit den Holzungsarbeiten zur Baufeldfreimachung für den Ersatzneubau der Staustufe Steinhavel begonnen.


Das Bauvorhaben mit einem Gesamtinvestitionsvolumen in Höhe von rd. 25 Mio. € wurde mit Beschluss 3700P-143.3-Mär-28 der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt vom 24.07.2018 planfestgestellt (genehmigt).
Auftragnehmer des ersten Bauloses ist die STRABAG AG mit ihrem Standort Lübben. Zum Leistungsumfang gehören neben den Holzungsarbeiten der Neubau einer Betriebsweganbindung zur Steinhavelstraße und einer Wehrgrabenüberführung zur Erschließung des Bau- und Betriebsfeldes auf der Schleuseninsel. Alle Arbeiten wer-den von einer ökologischen Bauüberwachung begleitet. Der Straßen- und Schiffsverkehr ist von den jetzt vergebenen Bauarbeiten nicht betroffen.

Weitere Baulose befinden sich derzeit noch in der Bauvorbereitung. Dazu zählen auch der lagegleiche Ersatzneubau der Schleuse und des Wehres, welche beide nur mit einer vorübergehenden Vollsperrung der Wasserstraße realisiert werden können. Beide Sperrzeiten werden jedoch in Winterhalbjahre gelegt, so dass die Schleuse auch während dieser Baujahre in den Hauptsaisonzeiten betrieben wer-den kann.
„Wie schon beim Ersatzneubau der Schleuse Fürstenberg/Havel in den Jahren 2009/10, liegt unsere oberste Priorität bei diesem Bau-vorhaben auf der Einhaltung der noch konkret festzulegenden Schleusensperrtermine. Aufgrund des aktuellen Standes der Bauvorbereitung können die Hauptbauleistungen noch nicht ausgeschrieben werden, so dass wir uns entschieden haben, die Arbeiten zur Baufelderschließung vorab auszuführen“, erklärt Rolf Dietrich als Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Berlin.

Hintergrundinformationen:
Die Staustufe Steinhavel (Obere Havel-Wasserstraße, km 64,6) stellt ein unverzichtbares Bindeglied in den wichtigen Verkehrsrelationen zwischen Berlin und der Müritz bzw. den Rheinsberger Gewässern und auch dem Kammerkanal nach Neustrelitz dar. Im Jahr 2015 wurden an der Staustufe 24.354 Wasserfahrzeuge geschleust, davon 89 Kabinen- bzw. Fahrgastschiffe und 23.841 Sportboote. Der Anteil muskelbetriebener Fahrzeuge liegt in den Sommermonaten bei über 20 %.
Die zuletzt in den 1960er Jahren sanierte Staustufe befindet sich in einem schlechten baulichen Zustand und entspricht nicht mehr den heute zu stellenden Anforderungen. Mit den jetzt geplanten Baumaßnahmen soll die Verkehrsfunktion der Oberen Havel-Wasserstraße nachhaltig gewährleistet und die ökologische Durchgängigkeit der Staustufe her-gestellt werden.

Luftbildaufnahme der Staustufe Steinhavel Staustufe Steinhavel, Obere Havel-Wasserstraße km 64,6 Luftbildaufnahme der Staustufe Steinhavel Quelle: WNA Berlin


Folgende Objekte werden dabei errichtet:

  • Neubau einer Betriebsweganbindung und einer Wehrgrabenüberführung zur Erschließung des Bau- und Betriebsfeldes
  • Ersatzneubau eines zweifeldrigen Klappenwehres anstelle des alten Mühlenwehres
  • Rückbau des nicht mehr benötigten Freiarchenwehres
  • Nachsorge des Trenndammes und Neubau einer Fischaufstiegsanlage zwischen Wehrgraben und Schleusenkanal
  • lagegleicher Ersatzneubau der Schleuse
  • Ersatz der Wartestellen im Oberen und Unteren Vorhafen
  • Wiederaufbau einer Bootsschleppe für muskelbetrieben Fahrzeuge
  • Automatisierung aller Anlagen auf Vollautomatik bzw. die halbautomatische Selbstbedienung durch die Nutzer
  • Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für unvermeidbare Eingriffe in Natur und Landschaft

Alle Baumaßnahmen müssen unter Gewährleistung der Vorflut für die Havel durchgeführt werden und sollen unter möglichst weitgehender Aufrechterhaltung des Schiffsverkehrs während der Wassertourismussaison erfolgen. Daher verteilt sich die Bauausführung auf insgesamt fünf Jahre Bauzeit. Die unvermeidbaren Sperrzeiten der Schleuse
werden durch das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Eberswalde rechtzeitig bekannt gegeben.

Die neue Fischaufstiegsanlage ist der bundesweit erste planfestgestellte Neubau einer bundeseigenen Anlage seitdem der Gesetzgeber dem Bund die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit an den Bundeswasserstraßen als gesetzliche Aufgabe übertragen hat. Die An-lage ist auf den adulten Wels mit einer Länge von 160 Zentimetern aus-gelegt. Als Bauart wurde ein beckenartiger Fischpass mit vertikal durchgehenden Schlitzen gewählt. Der Fischpass wird über 19 Becken mit Abmessungen von 5,70 m x 4,40 m (Länge x Breite) und einer Schlitzweite von 70 Zentimetern verfügen. Aufgrund der geringen Fall-höhe von ca. 1,70 m zwischen dem Ober- und Unterwasser des Wehres kann der Fischabstieg über das Wehr erfolgen.
Wie schon die neue Schleuse Fürstenberg (Baujahr 2010), erhält auch die neue Schleuse Steinhavel eine elf Meter breite Schleusenkammer, indem die für die Baugrube erforderlichen Stahlspundwände gleichzeitig als Kammerwände für die neue Schleuse bemessen und gebaut werden.

Auszug aus Anlage 4 – 7 der Planfeststellungsunterlagen: Schleusenquerschnitt alt (grau) und neu (rot)
Im Bild des Schleusenquerschnittes ist oben links auch die Lage der neuen Bootsschleppe zu erkennen, die in Abstimmung mit den Wassersportverbänden mit luftbereiften Schleppwagen ausgerüstet wird.